100 Meisterwerke. Heute: “Das Oxymoron”

Februar 17th, 2010

 “Ich bin doch gleich wieder da”.

Diese scheinbar beiläufig geäußerten Worte des Besuchers der sonderpädagogischen Vortragsreihe “Zeichen setzen. Förderdiagnostik unter besonderer Berücksichtigung der individuellen Familiensituation im Rahmen einer Stude der schulischen Integrationsstufen Inklusion, Exklusion, Separation und Integration pubertierender Kinder von Frühaussiedlern im Kontext der zunehmenden Sexualisierung der Gesellschaft und der neu eingeführten Umweltzone in Hannovers Innenstadt” setzen wahrhaftig ein Zeichen. Als ob die Fragen, zu deren Erörterung das genannte Seminar aus der Taufe endloser, zigarettenschwangerer Diskussionsrunden  gehoben wurde, in kurzer Zeit oder überhaupt vermittelbar seien.

Der Künstler stellt mit dem Titel seiner Installation als rhetorischer Figur das Gefüge von Standpunkt und Gegensatz allein durch sein Handeln und gleichzeitiges Unterlassen in den Vordergrund einer bizarr inszenierten Objektkonstellation. Dem Versuch der Unterwerfung durch bloße Montage eines Schildes setzt der Fahrer des blass blau-gefleckten Volkswagen T3 die Erscheinung seines Vehikels gegenüber, welche für sich genommen bereits den Protest einer Studentengeneration im 39. Semester verkörpert und in der Pose des unerschütterlichen Widerstandes gegen einen unbegreiflichen Wahn von Verbot und Anweisung eines spießigen Machtapparates diesen durch konsequente Entfaltung des Individuums im Keim erstickt.

Auf dem offensichtlichen intellektuellen Zenit seines revolutionären Schaffens hat es der Künstler in diesem Zusammenhang nicht versäumt, subtile Vorsorge für den Fall negativer Resonanz zu treffen.

“Ey, ich hatte doch den Warnblinker an.”

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Ovids freie Metamorphosen

November 6th, 2009

Parkplatz RRZN vor Halle D.

Doch als Phaethon jetzt, der Elende, hoch aus dem Äther
Niederschaut’ auf die Lande, die tief, tief unten sich streckten,
Blaß nun ward sein Gesicht, und ihm zitterten plötzlich die Knie;
Und in des Urlichts Glanz umzog ihm Dunkel die Augen.
Aber sobald dies merkte das Viergespann, da entstürzt es
Wild dem gebahneten Raum, nicht laufend in voriger Ordnung.
Jener erschrickt, ratlos die gewirreten Zügel zu lenken,
Und unkundig des Wegs, und kennt’ er ihn, doch des Befehles.

Langsam, wie du auch warst; dein Wagen nur zwang dich zu bleiben.

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100 Meisterwerke. Heute: “Schlichtheit”

Oktober 29th, 2009

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Dieses meisterhafte Arrangement, betörend in der  blass-eleganten Schönheit schlichter, stadtwerkesquer Farbkomposition und aufrüttelnd in der Eindringlichkeit orangefarbener Warnung, hinterlässt es den Betrachter dennoch fragend und zugleich aufgewühlt. Die Lackschicht des 96er VW Polo, die den Widerstand gegen die täglich von ihr zehrenden Sonnenstrahlen längst aufgegeben hat und mithin ein wundersames Spiel der fahlen Farbnuancen nur unter moosbedeckten Stellen, wie verschämt zu verbergen sucht, scheint dem Betrachter wie ein Hilferuf einer – in derselben Sonne – lange verblassten Parkerlaubnis für die zweite Reihe, die einst, gleich dem ehernen Aspis des griechischen Hoplit der Phalanx phantasievoll Parkender vor den Giftpfeilen der gelangweilten Politesse Zuflucht bot. Nur vom Schicksal des blauen Fiesta noch tiefer bewegt, hält der Beobachter inne und schämt sich ob seines Begehrens unverstellter Rettungswege. In hastiger Eile eines Erstsemesters auf dem Weg zum sozialpädagogischen Früh-Seminar zurückgelassen, gleicht er einem verschreckten Rehpinscher, ausgesetzt auf der Damentoilette der Autobahntankstelle Westerlange an der Ausfahrt Northeim-Nord. Getrieben vom Zeitdruck eines unerbittlichen Bachelor Curriculums, das im eurobürokratischen Elfenbeinturm vom einst blühenden Magisterstudium übrig blieb, und schwer gezeichnet von einer entbehrungsreichen Nacht, die allein der Fertigstellung der von wissenschaftlichen Mitarbeitern des Lehrstuhls in boshafter Weise angeordneten Hausarbeit diente, wird der Wagen so zum stillen Zeugen einer verfehlten Bildungspolitik, die in der Fahrzeuganordnung in der Feuerwehrzufahrt des regionalen Rechenzentrums ihre verwelkenden Blüten treibt.

Eine bemerkenswerte Symbiose

Oktober 28th, 2009

Feuerwehrzufahrt RRZN.

Immerhin blockieren sie nur die regulären Parkplätze und Rettungswege, nicht aber sich gegenseitig.

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Zwei Pickel sitzen ja auch nebeneinander und nicht auf der gleichen Stelle Haut.

Gefühlvoll

Oktober 21st, 2009

Maggiwürfel RRZN.

Wenn es nicht mehr weitergeht, einfach Handbremse ziehen.

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Glücklicherweise konnte ich Ralf davon abhalten, seinen Flitzer – vorn im Bild –  rückwärts auszuparken. Zugegebenermaßen hätte dies aber eine zusätzliche, wunderschöne Deformationsstudie für die Metallurgie ergeben.

Die Gehbehinderten

Oktober 21st, 2009

RRZN Kesselhaus.

Was man auf den Bildern nicht sieht: die Jungs haben echt starke Probleme mit der Motorik. Die sind mit sich selbst schon bestraft genug.

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